Das im Zuchtgenetik-Zentrum eingerichtete interne Überwachungssystem für PRRS basiert auf folgenden Punkten:
- Wöchentliche Stichprobengröße: Sie wird so berechnet, dass bei einer geschätzten Prävalenz von 2 % ein Konfidenzniveau von 95 % erreicht wird. Die Proben werden an drei Tagen pro Woche entnommen.
- Art der Probe: Blut aus der Vena saphena, da diese als die Probe mit der größten Nachweissensitivität gilt (s. Artikel „Nachweisfähigkeit einer PRRS-Infektion bei Ebern nach Probenart“).
- Durchgeführte Tests: PRRS-PCR
Einleitung: Wenn sich PRRS einschleicht
Am 7. April 2024 wurden bei der routinemäßigen Überwachung im Zuchtgenetik-Zentrum zwei PCR-Proben von Ebern aus einem der beiden Gebäude positiv auf das Virus des Porcinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms (PRRSv) getestet. Dies löste die sofortige Aktivierung des Notfallprotokolls aus:

- Gesundheitsbedingte Schließung des Zuchtgenetik-Zentrums
- Rücknahme aller produzierten Samendosen
- Untersuchung der zurückgenommenen Samendosen mittels PCR mit negativem Ergebnis
- Aktivierung des Notfallplans, um sicherzustellen, dass die Kunden mit Samendosen versorgt sind
Da ein Labor zur Verfügung stand, das in der Lage war, die ganze Nacht über zu arbeiten, konnten die Untersuchungen zügig vorangetrieben werden. Die zwischen dem 7. und 8. April an allen Ebern durchgeführten Tests bestätigten die Befürchtungen:
- 11 von 261 Ebern in Stall 2 (ST2) wurden mittels PCR positiv auf das Virus getestet.
- Im Gegensatz dazu wurde keines der 267 Tiere in Stall 1 (ST1) positiv getestet.
Dieser Befund markierte einen Wendepunkt: Von diesem Moment an begannen wir einen Wettlauf gegen die Zeit, um:
- den Ausbruch einzudämmen und die Ausbreitung des Virus von ST2 auf ST1 zu verhindern
- den Genpool zu erhalten
- die Produktion so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.
ST1 verfügt über ein Tiefstreusystem, während ST2 mit einem Vollspaltenboden ausgestattet ist. Beide Gebäude sind identisch aufgebaut und liegen nebeneinander. Der Abstand zwischen ihnen beträgt 10 Meter. Sie verfügen beide über eine Unterdrucklüftung mit Abluftöffnungen am Ende jedes Gebäudes sowie über Kühlaggregate an den seitlichen Lufteinlässen. Die Luft wird jedoch nicht gefiltert.
Vor dem Ausbruch waren die in den beiden Gebäuden tätigen Mitarbeiter voneinander getrennt. Nur der Personaleinlass war für alle derselbe: Die Mitarbeiter duschten am Ein- und Ausgang des Zuchtgenetik-Zentrums, von wo aus es einen Zugang zu ST1 gab.
Die Mitarbeiter aus ST2 begaben sich dann in „Durchgangskleidung und -schuhen“ zu ihrem Stall. Am Eingang von ST2 mussten sie in einem Umkleideraum mit klar voneinander getrennten Rein- und Schmutzbereichen ihre Kleidung und Schuhe komplett wechseln (trockene Hygieneschleuse, Abb. 1).
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Abbildung 1: Situation vor dem Ausbruch: Zu sehen sind die Umzäunung und die internen Absperrungen sowie die Bewegungsabläufe des Personals.
Gezielte Notfallmaßnahmen
Vom ersten Tag an war die Priorität klar: ST1 sollte PRRS-frei gehalten werden, um die Produktion so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Um dies zu erreichen, wurden eine Reihe hochpräziser Maßnahmen ergriffen:
Sofortige Isolierung und interne Einteilung in Zonen
- Die Verbindung zwischen ST1 und ST2 wurde ab dem Zeitpunkt des ersten positiven Befunds vollständig unterbunden.
- Es wurden getrennte, unabhängige Abläufe für Mitarbeiter, Aufgaben, Materialien und Abfälle eingerichtet. Ab dem 8. April erfolgte der Zugang zu ST2 von außen und am Ein- und Ausgang wurden Duschen in Betrieb genommen (Abb. 2).
- In ST2 wurden zwischen dem 9. und 12. April unter großem logistischem Aufwand alle Eber gekeult.

Änderungen der Bewegungsabläufe des Personals nach Feststellung eines positiven PRRS-Testergebnisses in ST2.
Bauliche und umweltbezogene Biosicherheit nach der Bestandsräumung von ST2
- Die Belüftung wurde in ST2 vollständig abgeschaltet und in ST1 auf ein Minimum reduziert (Abb. 3).
- Es wurde beschlossen, mit der Reinigung von ST2 nicht sofort nach der herkömmlichen Methode (mit Hochdruckwasser) zu beginnen, um die Bildung von Aerosolen zu verhindern, die in Stall ST1 hätten gelangen können. Organisches Material wurde manuell vom Spaltenboden entfernt und in die Güllegruben entsorgt. In der ersten Woche, in der der Stall leer stand, wurde er manuell gereinigt.
- In der zweiten und dritten Woche nach der Bestandsräumung von ST2 begannen die Mitarbeiter mit der Desinfektion ohne den Einsatz von Wasser oder Hochdruck. Das Ziel bestand darin, die Viruslast vor Ort zu reduzieren, bevor eine Hochdruckreinigung mit Wasser durchgeführt wurde. In der dritten Woche wurden Proben der Umgebung (38 Abstriche) entnommen, wobei der Schwerpunkt auf den Buchten lag, in denen die infizierten Eber untergebracht waren. An den Proben wurden einzelne PCR-Tests durchgeführt, die alle negativ ausfielen.
- In der vierten und fünften Woche nach der Keulung der Eber wurden alle Oberflächen in ST2 mit industriellen Lötlampen abgeflammt. Am Ende der fünften Woche wurden weitere Proben der Umgebung (25 Abstriche) entnommen, die ebenfalls negativ ausfielen.
- In der fünften Woche wurde der Samenverkauf aus ST1 wieder freigegeben, nachdem bei 100 % der dort befindlichen Eber zwei amtliche Bluttests und bei 50 % der männlichen Tiere wöchentliche Tests durchgeführt worden waren, die alle negative Ergebnisse bei PCR und ELISA ergaben. Bis die Reinigung und Desinfektion von ST2 vollständig abgeschlossen war, wurden alle Eber in ST1 vor dem Versand der Dosen mittels PCR getestet.
- In der sechsten Woche wurden die Anlagen gründlich mit Hochdruckwasser gereinigt.
- In der siebten Woche, nachdem ST2 gereinigt und desinfiziert worden war, begann die Leerzeit.

Abbildung 3: Änderungen der Belüftung bei Beginn der Hochdruckreinigung in Gebäude 2.
Reinigungsmanagement: Biocontainment
- Die Rohrleitungen und Entwässerungssysteme der Güllegruben in ST2 wurden physisch abgedichtet, um zu verhindern, dass zu Beginn der Reinigungsarbeiten Aerosole entweichen, wenn die Güllegruben in ST2 geöffnet werden müssen.
- An den vier Abluftventilatoren in ST2 wurde zudem eine Vorrichtung aus Kunststoffplanen angebracht, um die Abluft zum Boden umzuleiten. Dort wurden große Wannen mit einem viruziden Desinfektionsmittel aufgestellt (Fotos 1 und 2).
- In ST1 wurden alle Lufteinlässe (mit Kühlaggregaten) an der gegenüberliegenden Wand von ST2 mit Kunststoff abgedichtet, um das Eindringen von Luft und Partikeln zu verhindern (Foto 3). An der gegenüberliegenden Wand, wo Luft in ST1 einströmte, waren die Kühlaggregate zwar eingeschaltet, aber dem zirkulierenden Wasser, das alle vier Tage ausgetauscht wurde, wurde ein viruzides Desinfektionsmittel zugesetzt.

Foto 1: Anbringung von Metallrahmen an den Lüftungsöffnungen zur Befestigung der Planen.

Foto 2: An den Abluftventilatoren in Stall 2 wurde zudem eine Vorrichtung aus Kunststoffplanen angebracht, um die Abluft zum Boden umzuleiten. Dort wurden große Wannen mit einem viruziden Desinfektionsmittel aufgestellt.

Foto 3: Alle Lufteinlässe (Kühlungsöffnungen) neben Gebäude 2 wurden mit Kunststoff abgedichtet.
Schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs
- Am 12. Mai erhielt das Zuchtgenetik-Zentrum (Eber aus ST1) die amtliche Genehmigung zum Verkauf von Samendosen.
- ST2 blieb bis zur Reinigung und Desinfektion und einer anschließenden Leerzeit ungenutzt. Erst dann wurden Sentineltiere und neue Eber aufgenommen
| woche | STALL 1 | BARN 2 |
|---|---|---|
| 0 |
7. April: 0 PCR-positiv |
7. April: 2 PCR-positiv Rücknahme und PCR-Testung aller produzierten Dosen (die negativ getestet wurden), Aktivierung des Notfallplans, um sicherzustellen, dass die Kunden Samendosen erhielten |
| 1 |
Amtliche PCR-Tests an 100 % der Eber und private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der Eber, mit negativen Ergebnissen |
Manuelle Entfernung organischer Stoffe und Entsorgung in die Güllegrube |
| 2 |
Amtliche PCR-Tests an 100 % der Eber und private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der Eber, mit negativen Ergebnissen |
Desinfektion ohne den Einsatz von Wasser oder Hochdruck, um die Bildung von Aerosolen zu verhindern |
| 3 |
Private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der Eber, mit negativen Ergebnissen |
Entnahme von 38 Umweltproben und individuelle PCR-Tests, alle mit negativen Ergebnissen Ziel: Probenahme in den Ställen, in denen die positiven Eber gehalten wurden |
| 4 | Private PCR- und ELISA-Tests an 50 % der männlichen Tiere, mit negativen Ergebnissen 12. Mai: Der Verkauf von Dosen aus Stall 1 wurde amtlich genehmigt. |
Abflammen aller Oberflächen mit einer Lötlampe Entnahme von 25 Umweltproben und individuelle PCR-Tests, mit negativen Ergebnissen |
| 5 |
Private Tests an 100 % der männlichen Tiere, die vor der Freigabe der Dosen für PCR- und ELISA-Tests beprobt wurden |
|
| 6 | Private Tests an 100 % der männlichen Tiere, die vor der Freigabe der Dosen für PCR- und ELISA-Tests beprobt wurden | Beginn einer gründlichen Reinigung mit Hochdruckwasser |
| 7 | Beginn der Leerzeit | |
| 8 | ||
| 9 | Sentinel-Programm: Verlegung von 12 Ebern zur Keulung von ST1 nach ST2 Rotation in 100 % der Ställe |
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| 10 | Negative PCR- und ELISA-Ergebnisse bei den Sentineltieren | |
| 11 | Wiederbelegung des Stalls mit Tieren |
* alle Blutuntersuchungen
Überwachung des wöchentlichen Stichprobenumfangs bei einem Konfidenzniveau von 95 % und einer Prävalenz von 2 %, verteilt auf 3 Probenahmetage. Art der Probe: Blut aus der Vena saphena, Test: PCR.
Untersuchung: Auf den Spuren des unsichtbaren Virus
Es wurde eine detaillierte epidemiologische Untersuchung durchgeführt, deren Schwerpunkt auf den Tagen vor dem Nachweis des Virus lag. Analysiert wurden die Personalzugänge, Besuche von Fachleuten, Tiertransporte, die Beseitigung von Tierkadavern, interne Verlegungen oder Transporte und die Wetterbedingungen.
Mehrere Faktoren kristallisierten sich als potenzielle Eintrittswege heraus:
- Der Einsatz eines neuen Traktors (seit dem 16. März) zum Transport von Tierkadavern aus beiden Ställen zur 500 Meter außerhalb des Betriebsgeländes gelegenen Sammelstelle. Dabei waren Fehler beim Übergang zwischen dem Schmutz- und dem Graubereich des Betriebs sowie beim Zugang zum Kadavercontainer möglich.
- Wartungsarbeiten an den Kühlaggregaten am 19. und 26. März, bei denen Mitarbeiter mehrfach Ein- und Ausgänge in kritischen Bereichen benutzten.
- In den Tagen vor der Feststellung der Infektion hatte es Regenfälle und einen Temperaturrückgang gegeben. Das hätte dazu beitragen können, dass das Virus in der Umwelt überdauert, falls es in die Nähe des Betriebs gelangt war.
Trotz aller Bemühungen konnten wir keine einzelne Quelle identifizieren. Die genetische Sequenz des im Zuchtgenetik-Zentrum isolierten Virus wurde in die GenBank eingegeben und stimmte mit Stämmen aus einem 38 km entfernten Betrieb überein. Dieser liegt in einem Gebiet mit hoher Schweinebesatzdichte.
Gewonnene Erkenntnisse: Präventivmaßnahmen für die Zukunft
Der Ausbruch hat betriebliche Mängel aufgezeigt, die zur Ausarbeitung eines umfassenden Plans für kontinuierliche Verbesserungen geführt haben:
- Änderungen bei der Entsorgung von Tierkadavern: Das herkömmliche System der Abholung durch ein externes Unternehmen wurde zugunsten eines Hydrolyseverfahrens aufgegeben.
- Neue Überwachungskameras: Die Bilder werden in Echtzeit an die Mobilgeräte des Teams für Gesundheitssicherung übertragen. Dadurch wird die Überwachung des Verkehrs außerhalb der Gebäude und an den externen Zugangspunkten verbessert.
- Neugestaltung der Zugangspunkte: Seit dem Ausbruch sind die beiden Ställe hinsichtlich des Zugangs für Mitarbeiter, Materialien usw. vollständig voneinander getrennt.
- Tierarzt vor Ort: Der Tierarzt des Mutterunternehmens ist nun am Zuchtgenetik-Zentrum stationiert, was die tägliche Überwachung verbessert.
Schlussfolgerung: Eindämmung war möglich, weil es einen Plan gab
Der Fall dieses Zuchtgenetik-Zentrums zeigt, dass selbst bei einer stillen und potenziell verheerenden Infektion wie PRRS eine Kombination aus schneller Reaktion, gezielten Maßnahmen und anpassungsfähiger Biosicherheit den entscheidenden Unterschied ausmachen kann. Von entscheidender Bedeutung war das Bewusstsein der Mitarbeiter während des gesamten Prozesses der Bestandsräumung, Reinigung, Desinfektion, Wiederbelegung und Wiedereröffnung der Einrichtung.
Dank des erhaltenen Gesundheitsstatus von ST1 konnte das Zuchtgenetik-Zentrum seine Produktionsausfallzeit erheblich verkürzen und eine Unterbrechung der Versorgung mit genetischem Material vermeiden.
In einem Umfeld, das durch hohe Besatzdichte, ständige Bewegung und hochansteckende Viren gekennzeichnet ist, müssen Betriebe auf das Unerwartete vorbereitet sein. Ein besonders praxisorientierter Notfallplan ist keine Option, sondern die Lebensversicherung eines jeden Betriebs.


